Joachim Knobloch

 

Versuch über sukkurs


In freier Interpretation einer Aussage des Mannes, der einst durch eine Creme die Heilung der Welt einleiten wollte - nämlich Bazon Brock -, dass in der Wiederholung ein Aspekt von Unsterblichkeit liege, soll auch diese Installation in einer (jedoch finalen) Wiederholung den Begriff des Sichselbstähnlichen aufgreifen. In einer räumlichen Erweiterung, einem geänderten Kontext der assoziativ belastet ist, wird gleichzeitig an die Ungeklärtheit der künstlerischen Form erinnert, die zwischen Schutzhülle und technoider Bedrohung schwankt. Auch mein geschätzter Professor Joachim Bandau sprach sich für die Wiederholung des Sichselbstähnlichen als Möglichkeit dafür aus, das Werk in der Welt zu verteilen. So scheint das Verlangen nach Wiederholung auch ein Bedürfnis nach Sinnstiftung in ritualisierter, zwanghafter Betätigung und Produktion zu befriedigen in der Hoffnung, dass auch nur ein Teil des Werkes und seiner Bedeutung die Zeit überdauern möge. Wie um dies zu vollenden, hier ein Auszug aus dem Text von Christina May anlässlich der Ausstellung ... am Tag als Vater fiel ... in der Galerie CapitalGold, 2010:


„... die drei Tonnenobjekte scheinen natürliche Metamorphosen zu durchlaufen, obwohl sie ebensowenig mit organischen Werkstoffen bearbeitet wurden. Stattdessen sind sie mit vertrauten Verpackungsmaterialien verkleidet. Die Folien lösen sich vom Boden her auf, sie haben Risse und es könnte bald etwas aus diesen Kapseln herauskommen. Ein Mensch könnte gut hineinpassen. Vielleicht sind es ja mit Alufolie abgeschirmte Schutzräume für Paranoide. Die wie zufällig angeordneten Papierfetzen verstärken den Eindruck, dass sich hier etwas in der Entwicklung befindet. Doch wozu die fremde, außerirdisch anmutende Dreiergruppe fähig ist und was aus diesem Entwicklungsprozess hervorgeht, bleibt offen. Ihre allgemein verständliche Funktion und damit ihre Bedeutung sind durch die Transformation außer Kraft gesetzt. Nicht das Material selbst birgt somit den Hinweis auf seine Bedeutung, sondern das Arrangement der Formen deutet auf natürliche Prozesse und soziale Interaktion hin. Besonders das menschenähnliche Format der Tonnen regt dazu an, sich zu ihnen zu verhalten und subjektive Geschichten zu entwickeln. Das Alltägliche wird mit der Deformation verklärt, ihm wird der Sinn entzogen, womit der Betrachter dazu aufgefordert wird, für sich persönlich auszutesten, welche Handlungspraktiken diesen Objekten innewohnen.“


Joachim Knobloch

geb. 1967 in Düsseldorf

Bildender Künstler

1991-1998, Studium an der Fachhochschule Dortmund und an der Kunstakademie Münster

1997 Meisterschüler von Joachim Bandau

1998 Akademiebrief

zahlreiche Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen

Joachim Knobloch lebt und arbeitet in Köln.

www.joachim-knobloch.de